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Abbildung einer menschlichen Zelle
21. November 2017
Standpunkt

Mitochondrien: Die Energiekraftwerke des Körpers

Die Mitochondrien sind als Zellkraftwerke des Körpers das Wunder, das Ihnen ermöglicht, jetzt gerade vor ihrem Laptop oder Smartphone zu sitzen und diesen Text zu lesen, ihn zu durchdenken und währenddessen zu atmen, Ihren Körper zu bewegen und vielleicht eine Tasse Tee zu trinken. Denn für all diese Aktivitäten benötigen Sie Energie. Lebensenergie. Wie entsteht diese? Und wie können wir sie schützen und steigern? Nicht nur uralte Gesundheitslehren wie die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) oder Ayurveda widmen sich diesen Fragen und nennen die Lebensenergie Qi oder Prana. Auch die moderne Zellforschung erklärt und beobachtet, wie und wo solche Energie erzeugt wird: Dabei stehen die Mitochondrien als Kraftwerke der Zellen im Fokus der Wissenschaft. Die Leistung dieser ehemals eigenständigen Bakterien besteht darin, über die Nahrung aufgenommene Kohlenhydrate und Fettsäuren abzubauen. Dadurch stellen sie der Zelle und somit auch dem Organismus Kraft- und Wärmeenergie bereit. Wie gesund die Mitochondrien sind und wie gut sie als Kraftwerke funktionieren, ist also entscheidend für das Wohlbefinden, die Gesundheit und Langlebigkeit jedes Menschen.

Die Schlüsselfunktion der Mitochondrien

Die Mitochondrien waren selbst ehemals eigenständige Organismen, nämlich Bakterien: Als solche haben sich diese im Lauf der Evolution mit Zellen höherer Lebensform in einer Symbiose zusammengetan. Der „Deal“ dieser Organismen mit den Bakterien war: „Ihr habt es sicher hier in meinen Zellen, dafür liefert ihr mir Energie.“ Ähnlich wie Darmbakterien und andere Einzeller in verschiedenen Regionen des Körpers weisen auch die Mitochondrien eine eigene DNA auf, die nicht der des menschlichen Organismus gleicht. Für ein Verständnis ihrer Funktionsweise und Schlüsselrolle ist es also wichtig, diese ehemals eigenständigen Bakterien immer noch als Kleinstlebewesen zu begreifen, die im Dienst der Zelle stehen – und die besondere Bedingungen brauchen, um ihre Arbeit effektiv leisten zu können.

Wie die Mitochondrien Energie erzeugen

Hinreichend bekannt ist aus der biochemischen Forschung bislang, dass die Mitochondrien in der Zelle Energie erschaffen, indem sie Bestandteile der Nahrung umwandeln. Dabei dienen Kohlenhydrate, Fettsäuren und Fette als Grundstoffe. Während Fettsäuren und die sogenannten Ketone aus tierischen Produkten direkt von den Kraftwerken zerlegt und in Energie umgewandelt werden können, muss ein Kohlenhydrat erst in Zucker und dieser wiederum in „Pyruvat“ transformiert werden, welches von den Helferbakterien verarbeitet werden kann. Dieser Vorgang braucht Energie auf – und ist somit ein Grund dafür, warum zu viel Zucker und Kohlenhydrate müde und schlapp machen.

Die eigentliche Energieumwandlung in den Mitochondrien passiert aber durch den Ab- und Aufbau von sogenanntem ATP. Und nun kommen wir zum Kern der Sache: In diesem Energiestoffwechsel der Mitochondrien werden freie Elektronen beschleunigt – sie sind die Träger elektrischer Energie und erzeugen dabei ein elektromagnetisches Feld. Dieses Feld lädt das ATP energetisch auf. Und ATP ist der biologische Träger der Lebensenergie, die sich in Nerven- und Bewegungsimpulsen umsetzt und im Organismus verteilt wird. Auch unser Denken und die Sinneswahrnehmungen brauchen ATP – und hängen also direkt mit der Leistungsfähigkeit der Mitochondrien zusammen. Denn je energetisierter das ATP durch das elektromagnetische Feld der Mitochondrien ist, desto besser fühlen wir uns.

Das klingt abstrakt? Wer sich an die frische Luft nach einem Gewitterregen oder unter einem Wasserfall erinnert, wer schon einmal frisches Obst gegessen hat, das in einer vulkanischen Landschaft wild wächst, der hatte es mit solchen „beschleunigten“ Pi-Elektronen zu tun, wie sie im besten Fall auch die Mitochondrien erzeugen. Sie geben dem Körper das Gefühl, zu prickeln und mit frischer Lebensenergie versorgt zu werden. Wenn unsere Mitochondrien gesund sind und ihre Arbeit optimal leisten können, steht dieses Gefühl uns jederzeit bereit!

Gesunde Mitochondrien – erhöhte Energie

Um die bakterienähnlichen Zellkraftwerke gesund zu halten und ihnen zu ermöglichen, ihre Leistung optimal zu erbringen, sind einige Faktoren zu beachten, wobei die Ernährung eine zentrale Rolle einnimmt. Denn wenn wir den Mitochondrien vor allem schwer zerlegbare Nahrung „füttern“, muss die Zelle ihre Energie vor allem wieder in diese Vorbereitungsprozesse zur neuen Energiegewinnung stecken – die Energie steht nicht mehr für anderweitige Arbeitsprozesse zur Verfügung. Im schlimmsten Fall muss die Zelle sogar auf die sogenannte anaerobe Energiegewinnung umschalten, wenn innerhalb kurzer Zeit sehr viel Energie benötigt wird. (Für biochemisch Interessierte: Dabei werden Zucker und Kohlenhydrate unter Ausschluss von Sauerstoff in Pyruvat zerlegt – allerdings können die Mitochondrien Pyruvat nur in geringen Mengen umwandeln. Der Überschuss an Pyruvat wird durch Milchsäure vergoren, und es entsteht ein Abfallstoff, der „Pyruvat-Laktat-Komplex“, den wir nur langsam abbauen können.) Statt energetisierter Zellen entsteht dann also eine „Verstopfung“, die Müdigkeit von Körper und Geist erzeugt – vor allem, wenn sie über lange Dauer anhält.

Burn-out, Immunschwächen, Migräne und andere Krankheiten können die Folge dieses gestörten Stoffwechsels in der Zelle sein. Grund dafür sind häufig eine Ernährung, die ein Übergewicht von Kohlenhydrat und Zucker erzeugt, in Kombination mit physischer Überlastung (z.B. durch Leistungssport) und psychischem Stress. Um die Leistung der kleinen Helferbakterien wieder anzukurbeln, gibt es mehrere Möglichkeiten: Vor allem die gute Versorgung des Organismus mit Mikronährstoffen, wie z.B. Zink, Mangan, Eisen oder Q10, ist entscheidend. Darüber hinaus ist auch eine Ernährung sehr förderlich, die mittelkettige Fettsäuren und Ketone enthält – denn diese können direkt in die Zelle geschleust und dort von den Mitochondrien umgewandelt werden. Nicht zuletzt brauchen die Helferbakterien für ihre optimale Leistungsfähigkeit eine Zelle als Umgebung, die nicht unter Stress gebracht wird: Genügend Schlaf, gesunde Ernährung, genügend Entspannung und die richtige Atmung erzeugen die Bedingungen, unter denen die Mitochondrien hoch energetisiertes ATP bereitstellen und somit unseren ganzen Organismus gesund, leistungsfähig und lebendig erhalten können. Um mehr Lebendigkeit in die Welt zu bringen, macht es also Sinn, bei unseren eigenen Zellkraftwerken zu beginnen – und unsere Energie dann darauf zu verwenden, auch im Außen Lebendigkeit zu fördern.

Raffaela Then

forscht mit Leib und Seele zu allem, was lebendiger macht, und beschreibt als freie Journalistin am liebsten ihre Fragen und Einsichten auf dieser Reise.

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