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Junge auf Spielplatz mit bunten Sportgeräten
27. Juli 2017
Fit

Kinder in Bewegung sind gesunde Kinder

Bewegung ist gesund, das wussten schon unsere Großeltern. Wie groß der Einfluss von Sport und Bewegung aber tatsächlich auf unsere körperliche und geistige Gesundheit und auch auf unsere Lebenserwartung ist, damit beschäftigt sich die Wissenschaft erst seit einigen Jahren intensiv. Die Erkenntnisse, die aus dieser Forschungsarbeit gezogen werden, sind beeindruckend: Während wir Sport treiben und noch lange danach strömen Botenstoffe durch Kopf und Körper, und in unserem Gehirn entstehen neue Nervenbahnen. Krankes Gewebe heilt, neue Zellen wachsen heran, und sogar die Erbsubstanz wird repariert. Bewegung schützt uns so vor Depressionen, heilt Krankheiten und macht uns klüger. Dennoch sagt die Wissenschaft, sie sei mit dem Verständnis von Bewegung erst am Anfang. Denn die Mechanismen, die im Körper durch Bewegung in Gang gesetzt werden, sind so komplex und vielfältig, dass auch Mediziner hier bislang nur einen kleinen Teil vollständig verstanden haben.

Bewegungsmangel führt zu gesundheitlichen Problemen

Fest steht allerdings: Wie sportlich wir im Erwachsenenleben sind, hängt zu einem großen Teil davon ab, wie viel Bewegung wir als Kinder hatten. In den ersten zehn Jahren unserer Kindheit finden wichtige Entwicklungsprozesse im Gehirn statt, die prägend für alle weiteren Jahre sind. Meist werden derartige Forschungen erst populär, wenn sich gesellschaftliche Problematiken ergeben.

Die Probleme sind da: Gesundheitliche Schwierigkeiten, die auf Bewegungsmangel zurückzuführen sind, häufen sich bei Kindern und Erwachsenen. Die Kosten, die aus einem Mangel an Bewegung für unser Gesundheitssystem entstehen, sind hoch.

Nicht nur deshalb ist somit die Verantwortung, die wir hier für unsere Kinder tragen, besonders groß. Denn Kinder orientieren sich an ihren Eltern. Wir müssen unseren Kindern nicht nur Möglichkeiten der Bewegung bieten. Wir müssen ihnen auch „Bewegungs-Vorbilder“ sein. Doch gerade das fällt vielen Erwachsenen schwer.

Bewegung kommt im Alltag zu wenig vor

Häufig fehlt die Zeit für Bewegung. Bewegung und Arbeit scheinen sich immer mehr gegenseitig auszuschließen. Arbeiten heißt stattdessen für sehr viele Menschen, am Computer zu sitzen. Auch in der Freizeit findet nur noch wenig Bewegung statt. Selbst die Aufgeklärten, die es doch besser wissen sollten, verbringen zu viele Stunden vor dem Bildschirm. Der Weg zum Einkaufen wird uns schnell zu weit, das geht schließlich auch übers Internet. Nur ein paar Klicks und ein wenig Geduld, und schon steht ein freundlicher Bote mit einem Paket vor der Tür. Bewegung ist somit für viele nichts Selbstverständliches mehr, Bewegung muss geplant werden.

Insbesondere für Kinder, die in der Stadt aufwachsen, heißt das, sie verbringen sehr viel  Zeit in der Wohnung. Laut einer Studie des Robert-Koch-Instituts zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland, der KIGGS-Studie, verlassen einige Kinder in ihrer Freizeit kaum noch die Wohnung.

Kinder verbringen zu viel Zeit in der Wohnung

Darüber hinaus ist es Eltern manchmal zu gefährlich, ihre Kinder auf dem Hof oder auf der Straße spielen zu lassen. Aus Angst vor Unfällen oder andere Gefahren dürfen sich die Kleinen heute nicht mehr draußen austoben. Jeder, der sich an seine eigene Kindheit erinnert, weiß, dass man meist den größten Spaß beim Spielen hatte, wenn man Bewegungsfreiheit hatte, unbeobachtet war von Eltern oder Lehrern. Kinder wollen die Welt entdecken, neue Erfahrungen machen und gelegentlich auch Grenzen überschreiten. Da ist es einleuchtend, dass der begrenzte Freiraum, den ein städtischer Spielplatz bietet, den Kindern schnell langweilig wird gegenüber den virtuellen, oft fantastischen Abenteuern des elektronischen Medienangebots.

Eltern tragen die Verantwortung für ihre Kinder

Man kann von Kindern nicht verlangen, sich selbst für das Richtige zu entscheiden. Es liegt in der Verantwortung der Eltern, hier zu regulieren und ihren Kindern mehr Bewegung in der Natur oder über den Sport zu verschaffen.

Die Wirklichkeit der Kinder sieht nur leider anders aus: Viele Eltern organisieren kein Kinder-Bewegungsprogramm. Stattdessen zeigte sich etwa bei Schuleingangsuntersuchungen in Mannheim, dass jedes vierte Kind von fünf oder sechs Jahren einen eigenen Fernseher im Zimmer hat. Schon im Alter zwischen drei und fünf Jahren sitzen viele Kinder durchschnittlich 75 Minuten am Tag vor dem Bildschirm. Kinder im Alter von zehn bis dreizehn sind laut der Untersuchung sogar täglich durchschnittlich 108 Minuten mit audiovisuellen Medien beschäftigt.

Beim Rumpfbeugen erreichen viele nicht mehr den Boden

Die Auswirkungen, die diese Lebensumstände und der Mangel an Bewegung auf die körperlichen Möglichkeiten von Kindern haben, sind immens. Viele Kinder, die an der KiGGS-Studie teilnahmen, konnten keine 60 Sekunden lang auf einem Bein balancieren. Fast die Hälfte aller Kinder erreichte beim Rumpfbeugen nicht den Boden. Professor Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit, stellt fest: „Der bestürzende Mangel an Bewegung ist mittlerweile zu einem ernsten Problem für die Familien und für die Gesellschaft geworden. Bewegungsmangel ist zwar keine Erkrankung, aber ein erwiesener gesundheitlicher Risikofaktor".

Designed to move

Wem all dies noch nicht bedeutend genug erscheint, den wird sicher das Zitat der Initiative Designedtomove beeindrucken. Die Initiative beruft sich auf internationale Studien, die besagen, dass die jetzt heranwachsende Generation möglicherweise die erste in der Moderne sein wird, die eine geringe Lebenserwartung hat als ihre Elterngeneration. Begründet wird dies mit dem zunehmenden Bewegungsmangel der Kinder. Designedtomove ruft deshalb mit einem Expertennetzwerk dazu auf, konkrete sportliche Angebote und Bewegungsmöglichkeiten für Kinder zu schaffen. Denn Bewegung macht Kindern Spaß. Und das Toben und Um-die-Wette-Rennen, das Auf-Bäume-Klettern und Seilspringen hält Kinder nicht nur körperlich fit, sondern macht die Kinder nachweislich sogar klüger. Um die Durchblutung des Gehirns um ganze 13 Prozent zu erhöhen, muss man nicht einmal sportliche Höchstleistungen vollbringen, es reicht bereits, nur eine Weile zu gehen. Denn während der Bewegung entstehen mehr Nervenbotenstoffe (sogenannte Neurotrophine), die Zahl der Nervenverbindungen und das Aktivitätsniveau des Gehirns steigt. Neurotrophine tragen beispielsweise zur Gedächtnisbildung bei. Langfristig steigert Bewegung zudem die Konzentrationsfähigkeit. Bei Grundschulkindern führt eine zusätzliche Schulstunde mit Sport und Bewegung in der Woche beispielsweise zu einer bis zu 40 Prozent besseren Konzentrationsleistung. Und Kinder, die in ihrer frühen Kindheit viel in Bewegung waren, sind später in ihrer Sprachentwicklung weiter als Kinder, die ihre frühe Kindheit passiv verbringen mussten. Es sollte somit eine gesellschaftliche Aufgabe werden, Kindern mehr Bewegung zu ermöglichen. Los geht’s!

Tina Heyenrath

Tina hadert gelegentlich mit ihrer Heimat Berlin. Und möchte dann lieber aufs Land ziehen. Um dort Gemüse anzubauen, den Himmel zu sehen und vor allem viel Zeit mit Pferden zu verbringen. Diese sind nämlich, neben dem Schreiben, ihre große Leidenschaft.

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