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Berge mit Schnee bedeckt
28. August 2017
Fit

Die Wim-Hof-Methode: Mit dem Eismann das Immunsystem stärken

Wim Hof auch bekannt als der „Iceman“ schwört auf Atem und Kälte zur Stärkung des Nerven- und Immunsystems. Was ist dran an seiner Methode? Hilft sie wirklich das Immunsystem zu unterstützen? Und kann man seine Übungen auch nachmachen? Unser Autor hat es versucht.

Ein Mann der Extreme, der sogar das eigene Immunsystem bezwingt: Wim Hof

„Die Kälte ist meine einzige Lehrmeisterin“, sagt Wim Hof, der 26 Weltrekorde hält, die Wissenschaft staunen lässt und in den internationalen Medien als „Iceman“ tituliert wird. Die Methode des Gurus aus den Niederlanden zu erklären, ohne furchtbar esoterisch zu klingen, ist schwer bis unmöglich. Das hängt wohl damit zusammen, dass Wim Hof gerne in blumigen Metaphern spricht und sonst niemand genau weiß, wie und warum seine Techniken funktionieren.

Dass sie funktionieren, steht inzwischen außer Zweifel. Die Rekorde könnte man noch darauf zurückführen, dass Wim Hof ein Ausnahmefall ist. Die Natur hätte ihm zufällig eine besondere Zähigkeit geschenkt, die ihn befähigt, nur mit Shorts bekleidet in Rekordgeschwindigkeit den Kilimandscharo zu besteigen, ohne Wasser in der Wüste einen Marathon zu laufen und knapp zwei Stunden ohne Absinken der Kernkörpertemperatur in Eiswasser zu sitzen.

Ausnahmefall, Scharlatan, Lehrmeister – wer oder was ist Wim Hof?

Doch Wim Hof unterrichtet Menschen aus aller Welt in seiner Methode, und auch die vollbringen Erstaunliches. Eine gemeinsame Bergbesteigung ist Standard. Der Investigativjournalist Scott Carney berichtet in seinem Buch What doesn’t kill us von einer Kilimandscharo-Expedition mit Wim Hof und einer Gruppe, an der er selbst teilnahm – wiederum in Shorts und innerhalb von zwei Tagen. Die Lehrmeinung war bis dahin gewesen, dass der Körper mindestens fünf Tage brauche, um sich an die dünne Luft zu akklimatisieren.

Ursprünglich hatte Carney vorgehabt, Wim Hof in einem Artikel als den Scharlatan zu entlarven, der er mit seinen fantastischen Behauptungen ja wohl sein musste. Es kam anders.

Buchcover Wim Hof Becoming the Iceman

Wim Hof beweist Einfluss aufs Immunsystem

Zu diesen Behauptungen gehört, dass es mit seiner Methode möglich sei, willentlich das Immunsystem und das autonome Nervensystem zu steuern. Letzteres trägt ja diesen Namen bekanntlich deshalb, weil genau dies als unmöglich gilt.

Im Jahr 2011 trat Wim Hof allerdings im Labor den Beweis an. Er bekam ein Endotoxin verabreicht, also unwirksame Bestandteile von Bakterien, auf die das Immunsystem normalerweise mit Grippesymptomen reagiert. Wim Hof konnte diese Symptome unterdrücken. Die Publikation zeigte sich beeindruckt, warnte aber vor zu großer Begeisterung, weil es sich nur um einen Einzelfall handle. Also kehrte Hof noch im selben Jahr mit einer Gruppe von Testpersonen ins Labor zurück, die bei ihm trainiert hatten – und siehe da, auch deren Immunsysteme blieben cool. Die Ausnahmeleistung hatte Methode.

Vor diesem Hintergrund kann ich den Esoterikalarm vielleicht riskieren und sagen, dass es bei der Wim-Hof-Methode um einen besseren Einklang von Körper und Geist geht, der dann diese Kontrolle unter anderem über das Immunsystem ermöglicht. Die zwei Hauptrollen spielen dabei Atmung und Kälte.

Atem: Mit Wim Hof minutenlang die Luft anhalten  

Die Grundübung der Methode ist eine Art kontrollierte Hyperventilation. Dabei nimmt man etwa 30 tiefe Atemzüge: tief ein- und ohne Druck ausatmen, zügig, aber ruhig und ohne Hektik. Vielleicht kribbelt es ein bisschen in den Fingern. Das ist normal und macht nichts. Nach dem letzten Ausatmen hält man die Luft an, so lange es geht.

Als Anfänger kam ich schnell ins Staunen, als ich feststellte, dass ich schon nach wenigen Tagen drei Minuten lang die Luft anhalten konnte – ohne Luftvorrat in der Lunge, denn ich hatte ja zuletzt ausgeatmet. Der Trick dabei ist, dass die Atemzüge das Blut mit Sauerstoff anreichern, der dann eben eine Weile reicht.

Der meditative Aspekt kommt vor allem beim Atemanhalten ins Spiel. Zum einen vermittelt es eine ungewöhnliche Ruhe, still dazusitzen, ohne zu atmen, und auch kein Bedürfnis danach zu verspüren. Darüber hinaus erschließt sich hier ein bisschen, wie Wim Hofs Methode einen Zugang zum autonomen Nervensystem und zum Immunsystem schafft.

Ein selbstgemachter Keil fürs Immunsystem

Der jedem bekannte Reflex, nach Luft zu schnappen, wird nämlich nicht direkt von Sauerstoffmangel ausgelöst, sondern von einer erhöhten Stickstoffkonzentration in der Lunge. Durch die Hyperventilation à la Wim Hof ist mehr Sauerstoff im Kreislauf, als das Nervensystem aufgrund des Stickstoffs in der Lunge „annimmt“. Durch wiederholtes Üben lernt der Körper, dass er dem Willen (der ja hinter dem Luftanhalten steht) etwas mehr Einfluss zugestehen kann, weil der Sauerstoff über das Einsetzen des Atemreflexes hinaus noch eine ganze Weile reicht. In den Worten des Autors Scott Carney entsteht so ein „Keil“, der dem Bewusstsein größeren Einfluss auf das Nerven- und Immunsystem erlaubt.

Kälte: Nicht nur Wim Hof kann zum Eismann werden

Die Konfrontation mit Kälte ist eine weitere Übung dieser Kontrolle. Wim Hof verwendet dazu Schnee und Eiswasser; im Hausgebrauch muss die kalte Dusche reichen.

Hier geht es darum, die körpereigene Heizung anzuwerfen und Wärme zu produzieren. Dafür ist eine Substanz zuständig, die „braunes Fett“ heißt. Heute findet man braunes Fett in der Regel nur noch bei Säuglingen und Menschen, die sich viel in der Kälte aufhalten. Bei den meisten von uns hat es mangels Kälte den Dienst quittiert. Wahrscheinlich ist dieses braune Fett aber eine wesentliche Antwort auf die Frage, wie die frühen Menschen eigentlich die Eiszeit überlebt haben – wer weiß, wofür es sonst noch gut ist. Denkt man an den Laborversuch von Wim Hof und seinen Schülern, lässt sich ein Effekt auch auf das moderne Immunsystem durchaus vermuten.

Herz-Kreislauf-, Nerven- und Immunsystem – oder einfach: fit und geerdet im Alltag

Die Kombination aus den Techniken macht’s: Der zusätzliche Sauerstoff entsäuert den Körper und wirkt geradezu wie Doping; Kälte ist ein hervorragendes Training fürs Herz-Kreislauf-System, an dem heutzutage so viele erkranken.

In seinem Videokurs für zu Hause ergänzt Wim Hof Atmung und Kälte mit verschiedenen Dehnungs- und Balance-Übungen, für die er Anleihen bei Yoga-Techniken nimmt. Diese erzwingen geradezu einen meditativen Fokus auf den Körper und trainieren wiederum die mentale Kontrolle, fördern also die Kommunikation zwischen Körper und Geist.

Von den fast wundersamen Auswirkungen auf Nerven- und Immunsystem mal abgesehen, haben die Übungen des Wim Hof aber auch sofort spürbare Effekte: Die Methode ist eine tolle Kombination aus Meditation und Sport, die sich leicht im Alltag unterbringen lässt. Man fühlt sich fit und geerdet. Scott Carney meint, dass uns modernen Menschen die Kälte ebenso fehlt wie Bewegung, mit ähnlich schlechten Folgen für die Gesundheit. Vielleicht hat Wim Hof seine erstaunlichen Leistungen nur dem Eis(zeit)menschen in sich zu verdanken, der in uns allen schlummert.

Sebastian Wessels

Als Soziologe und freier Autor schreibt Sebastian mit unerschöpflicher Neugier über das Leben, das Universum und den ganzen Rest.

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